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  • Gedenkmal für queere Opfer des Nationalsozialismus mit rosa Flächen und schwarzen Stelen im öffentlichen Park. Englisch: Memorial honoring queer victims of National Socialism, featuring pink surfaces and black pillars in a public park.

    Queere Opfer des Nationalsozialismus – Erinnern am Internationalen Holocaust-Gedenktag

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    Tom
    Zuletzt aktualisiert: 21.01.2026
    Lesezeit:
    6 Min

    Queere Opfer des Nationalsozialismus stehen im Zentrum dieses Beitrags zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27.01.2026. Das Erinnern an die systematische Verfolgung, Entrechtung und Ermordung nicht-heteronormativer Menschen ist ein wesentlicher Bestandteil historischer Aufarbeitung – und zugleich ein politischer wie persönlicher Akt der Sichtbarmachung. Gerade für aufgeklärte Erwachsene, insbesondere schwule Männer, bedeutet dieses Gedenken auch, die eigene Geschichte als Teil einer langen Linie von Begehren, Körperlichkeit, Lust und Repression zu begreifen.

    Der Internationale Holocaust-Gedenktag erinnert jährlich an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945. Während jüdische Opfer zu Recht im Zentrum der Erinnerung stehen, geraten andere verfolgte Gruppen bis heute häufig an den Rand: politische Gegner, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, als „asozial“ Stigmatisierte – und Menschen, deren sexuelles Begehren oder geschlechtliche Identität nicht der nationalsozialistischen Norm entsprach.

    Dieser Artikel widmet sich der Geschichte, der Verfolgungspraxis, den Symbolen, den Nachwirkungen und der Bedeutung des Gedenkens an queere Opfer des Nationalsozialismus – sachlich, differenziert und bewusst aus einer Perspektive, die Sexualität nicht ausklammert, sondern als Teil menschlicher Existenz ernst nimmt.

    Der Internationale Holocaust-Gedenktag und seine Bedeutung

    Der Internationale Holocaust-Gedenktag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 offiziell eingeführt. Er dient dem weltweiten Erinnern an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes und soll zugleich Mahnung für Gegenwart und Zukunft sein. Erinnerung ist dabei kein statischer Akt, sondern ein fortlaufender Prozess, der sich an neue Erkenntnisse, Perspektiven und gesellschaftliche Debatten anpasst.

    Für queere Communities ist dieser Tag besonders bedeutsam, weil ihre Opfergruppe lange nicht als solche anerkannt wurde. Jahrzehntelang fehlte eine differenzierte Aufarbeitung der Verfolgung nicht-heterosexueller Menschen, sowohl in der historischen Forschung als auch im öffentlichen Gedenken. Erst spät wurde sichtbar, dass sexuelle Selbstbestimmung im Nationalsozialismus nicht nur moralisch verurteilt, sondern systematisch kriminalisiert und ausgelöscht werden sollte.

    Gedenken bedeutet hier auch, Leerstelle zu benennen: das Schweigen nach 1945, die fortgesetzte Strafverfolgung, das lange Ausbleiben von Entschädigung und Anerkennung. Der Internationale Holocaust-Gedenktag bietet einen Rahmen, diese Aspekte bewusst einzubeziehen.

    Queere Opfer des Nationalsozialismus im historischen Kontext

    Die Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus war keine zufällige Begleiterscheinung, sondern ideologisch begründet. Das Regime propagierte ein streng normiertes Bild von Männlichkeit, Weiblichkeit, Fortpflanzung und „Volkskörper“. Sexuelles Begehren hatte sich diesem Zweck unterzuordnen.

    Männliche Homosexualität galt als direkte Bedrohung für die demografischen und militärischen Ziele des Staates. Weibliche gleichgeschlechtliche Beziehungen wurden weniger systematisch verfolgt, aber sozial stigmatisiert, pathologisiert und überwacht. Geschlechtliche Nonkonformität wurde als Zeichen moralischen Verfalls interpretiert.

    Queere Opfer des Nationalsozialismus wurden somit nicht wegen einzelner Handlungen verfolgt, sondern weil ihr bloßes Begehren als Gefahr definiert wurde. Sexualität wurde politisiert, kontrolliert und mit Gewalt reguliert.

    §175 und die strafrechtliche Grundlage der Verfolgung

    Zentrales Instrument der Verfolgung war der verschärfte §175 des deutschen Strafgesetzbuches. 1935 wurde er massiv ausgeweitet: Schon vermeintliche „begehrliche Blicke“, Fantasien oder intime Annäherungen konnten strafbar sein. Die Beweislast lag faktisch bei den Beschuldigten, Denunziation wurde systematisch gefördert.

    Zwischen 1933 und 1945 wurden etwa 100.000 Männer wegen gleichgeschlechtlicher Kontakte erfasst, rund 50.000 verurteilt. Viele von ihnen landeten nach Haftstrafen direkt in Konzentrationslagern. Die Justiz fungierte als verlängerter Arm der nationalsozialistischen Sexualpolitik.

    Der Paragraph blieb in der Bundesrepublik Deutschland in dieser Form noch Jahrzehnte nach dem Krieg bestehen. Für viele Überlebende bedeutete das eine doppelte Verfolgung: erst durch das NS-Regime, später durch den demokratischen Rechtsstaat.

    Konzentrationslager, Zwangsarbeit und sexualisierte Gewalt

    In den Konzentrationslagern waren queere Häftlinge einer besonders brutalen Behandlung ausgesetzt. Sie wurden oft isoliert, mussten die schwersten Arbeiten verrichten und waren Gewalt sowohl durch Wachpersonal als auch durch Mitgefangene ausgesetzt. Sexuelle Gewalt, medizinische Experimente und Zwangskastrationen gehörten zur Realität vieler Betroffener.

    Die Existenz von Begehren wurde systematisch gebrochen. Körper, die Lust empfinden konnten oder wollten, galten als zu disziplinierende Objekte. Sexualität wurde entmenschlicht, instrumentalisiert und vernichtet.

    Gerade für eine Zielgruppe, die sich heute offen mit Lust, Fetisch und Körperlichkeit auseinandersetzt, ist diese Geschichte schwer auszuhalten – und zugleich zentral. Sie zeigt, wie politisch Sexualität immer war und ist.

    Symbole der Verfolgung und ihre Bedeutung

    Ein zentrales Symbol für queere Opfer des Nationalsozialismus ist der sogenannte „rosa Winkel“. Männer, die als homosexuell kategorisiert wurden, mussten dieses Abzeichen an ihrer Häftlingskleidung tragen. Es machte sie sichtbar, markierte sie als besonders „abweichend“ und setzte sie gezielter Gewalt aus.

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    Nach 1945 blieb dieses Symbol lange ambivalent. Für viele Überlebende war es mit Scham, Trauma und fortgesetzter Kriminalisierung verbunden. Erst mit der queeren Emanzipationsbewegung ab den 1970er-Jahren wurde der rosa Winkel umgedeutet – vom Stigma zum Zeichen des Widerstands und der Erinnerung.

    Diese Umdeutung ist kein ästhetischer Akt, sondern ein politischer. Sie macht sichtbar, dass Symbole ihre Bedeutung verändern können, wenn marginalisierte Gruppen sich Geschichte zurückholen.

    Queere Opfer des Nationalsozialismus und das lange Schweigen nach 1945

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfuhren queere Überlebende kaum Anerkennung. Viele wurden nicht als Opfer anerkannt, erhielten keine Entschädigung und blieben weiterhin strafrechtlich verfolgt. Der §175 blieb bestehen, Ermittlungsakten wurden weiterverwendet.

    Dieses Schweigen war institutionell wie gesellschaftlich. In Familien, in Medien, in der Geschichtsschreibung tauchten diese Biografien kaum auf. Sexualität galt weiterhin als Tabu, insbesondere wenn sie nicht der Norm entsprach.

    Das hatte direkte Auswirkungen auf Erinnerungskultur: Gedenkstätten erwähnten queere Opfer des Nationalsozialismus oft gar nicht oder nur am Rand. Erst durch jahrzehntelange Aktivismus- und Bildungsarbeit änderte sich diese Perspektive langsam.

    Späte Anerkennung und rechtliche Rehabilitation

    Erst im 21. Jahrhundert kam es zu einer umfassenderen rechtlichen Rehabilitation. Urteile wurden aufgehoben, Entschädigungsfonds eingerichtet, offizielle Entschuldigungen ausgesprochen. Diese Schritte waren wichtig, konnten aber das erlittene Leid nicht ungeschehen machen.

    Anerkennung bedeutet hier nicht Abschluss, sondern Verantwortung. Sie verpflichtet dazu, Geschichte differenziert zu erzählen und nicht erneut zu marginalisieren.

    Gedenken, Sexualität und Selbstbestimmung heute

    Für einen schwulen Sex-Shop wie Tom Rocket’s mag dieses Thema auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch Lust, Körper und Begehren existieren nicht im luftleeren Raum. Sie sind immer eingebettet in gesellschaftliche Machtverhältnisse, Normen und historische Erfahrungen.

    Das Gedenken an queere Opfer des Nationalsozialismus erinnert daran, dass sexuelle Selbstbestimmung keine Selbstverständlichkeit ist. Dass das Recht, zu begehren, zu experimentieren, Lust zu empfinden, hart erkämpft wurde – und jederzeit wieder infrage gestellt werden kann.

    Eine offene, sexpositive Kultur steht nicht im Widerspruch zu Erinnerung, sondern ist Teil davon. Sie setzt dort an, wo Repression einst ansetzte: am Körper, an der Lust, am Begehren.

    Erinnerung als Teil queerer Gegenwart

    Gedenken ist kein rückwärtsgewandter Akt. Es beeinflusst, wie Communities sich heute verstehen. Wer die Geschichte queerer Opfer des Nationalsozialismus kennt, erkennt, warum Sichtbarkeit, Schutzräume und sexuelle Freiheit politisch bleiben.

    Der Internationale Holocaust-Gedenktag bietet einen Moment der Reflexion: über Verletzlichkeit, über Widerstand, über Kontinuitäten von Ausgrenzung. Für queere Menschen ist er auch ein Tag, um sich der eigenen Geschichte bewusst zu werden – jenseits von Party, Fetisch und Alltag.

    Erinnerung darf unbequem sein. Sie darf schmerzen. Sie darf auch Fragen nach der eigenen Verantwortung heute stellen.

    Ausblick: Warum dieses Gedenken relevant bleibt

    Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und autoritäre Ideologien sind keine Phänomene der Vergangenheit. Sie existieren weiterhin, oft subtiler, manchmal offen aggressiv. Das Wissen um die Geschichte queerer Opfer des Nationalsozialismus schärft den Blick für diese Entwicklungen.

    Der 27.01.2026 ist daher nicht nur ein Datum, sondern ein Anlass, Haltung zu zeigen: für Vielfalt, für sexuelle Selbstbestimmung, für eine Erinnerungskultur, die niemanden ausspart.

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