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title: "Top, Bottom oder Vers: was die Begriffe beim Sex bedeuten"
description: "Top penetriert, Bottom empfängt, Vers macht beides. Was die Begriffe wirklich heißen, wie viele sich wie einordnen und was die Rolle fürs Risiko bedeutet."
url: https://gay-blog.tomrockets.com/top-und-bottom-grundbegriffe-sex/
date_published: 2023-12-20
date_modified: 2026-07-29
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# Top, Bottom oder Vers: was die Begriffe beim Sex bedeuten

## Inhaltsverzeichnis

- [Was ein Top beim Sex ist](#h-wie-lasst-sich-der-top-definieren)
- [Was ein Bottom beim Sex ist](#h-bottom-oberbegriff-um-den-status-anzuzeigen)
- [Versatile, vers und bttm: die Abkürzungen](#h-versatile-vers-und-bttm-die-abkurzungen)
- [Power Bottom, Service Top und Side](#h-power-bottom-service-top-und-side)
- [Wie viele sind was, und was die Zahlen taugen](#h-wie-viele-sind-was-und-was-die-zahlen-taugen)
- [Woher die Begriffe kommen](#h-woher-die-begriffe-kommen)
- [Dieselben Wörter im BDSM, andere Bedeutung](#h-dieselben-worter-im-bdsm-andere-bedeutung)
- [Was die Rolle über dich aussagt, und was nicht](#h-was-die-rolle-uber-dich-aussagt-und-was-nicht)
- [Sieht man einem Mann an, ob er Top oder Bottom ist](#h-sieht-man-einem-mann-an-ob-er-top-oder-bottom-ist)
- [Was die Rolle fürs Risiko bedeutet](#h-was-die-rolle-furs-risiko-bedeutet)
- [Wie du herausfindest, was zu dir passt](#h-wie-du-herausfindest-was-zu-dir-passt)

Top heißt penetrieren, Bottom heißt empfangen, Vers heißt beides. Das ist die ganze Grundbedeutung, und sie bezieht sich auf den [Analverkehr](https://gay-blog.tomrockets.com/analverkehr/ "Analverkehr") zwischen Männern. Alles Weitere sind Zusätze: wie oft, wie gern, wie ausschließlich und mit welcher Haltung.

Dieselben zwei Wörter tragen im [BDSM](https://gay-blog.tomrockets.com/bdsm-fetisch-kink/ "BDSM") eine andere Bedeutung. Dort geht es nicht um die Penetrationsrichtung, sondern darum, wer eine Handlung ausführt und wer sie empfängt. Beide Bedeutungen sind alt, beide sind belegt, und sie werden hier getrennt behandelt. Zuerst der Sex, weiter unten das BDSM.

## Was ein Top beim Sex ist

Der Top ist der Mann, der beim Analverkehr eindringt. Mehr sagt der Begriff zunächst nicht aus.

Vor allem sagt er nichts über [Dominanz](https://gay-blog.tomrockets.com/bdsm-dominanz/ "Dominanz"). Das sind zwei verschiedene Achsen, die im Alltagsgebrauch ständig durcheinandergeraten. Ein Top kann führen, er kann sich aber genauso gut leiten lassen. Wer penetriert, hat damit noch keine Entscheidung darüber getroffen, wer das Tempo bestimmt.

Praktisch hängt an der Rolle vor allem eines: die [Erektion](https://gay-blog.tomrockets.com/erektion/ "Erektion") muss halten. Darüber wird selten offen geredet, obwohl es Verabredungen zum Scheitern bringt. Aufregung, Alkohol, Kondomwechsel oder schlicht der Druck, jetzt liefern zu müssen, wirken alle in dieselbe Richtung. Ein Top, der das offen ansprechen kann, hat den entspannteren Sex. Wie du die aktive Rolle technisch angehst, steht ausführlich in unserem Beitrag zu [Top Sex und der aktiven Rolle](https://gay-blog.tomrockets.com/top-sex-analsex-tops/).

Der zweite Punkt betrifft die Verantwortung. Der Top spürt nicht, was der Bottom spürt. Er ist deshalb darauf angewiesen, dass gesprochen wird, und er ist in der Pflicht, danach zu fragen. Über Tempo, Winkel und Tiefe entscheidet der Bottom.

Darin steckt der Kern von [Einvernehmlichkeit](https://gay-blog.tomrockets.com/consent-bdsm/ "Einvernehmlichkeit"). Eine Verabredung gilt so lange, wie beide sie noch wollen, und keinen Moment länger. Kommunikation ist dabei die Bedingung dafür, dass der Sex überhaupt gut wird.

## Was ein Bottom beim Sex ist

Der Bottom ist der Mann, der beim Analverkehr empfängt.

Empfangend heißt dabei ausdrücklich etwas anderes als passiv. Diese Gleichsetzung hält sich hartnäckig, und sie stimmt weder körperlich noch praktisch. Der Bottom steuert den Ablauf oft stärker, als es aussieht: Er gibt vor, wie schnell es geht, wie tief, in welcher Stellung und wann Schluss ist. Dass er dabei nicht derjenige ist, der stößt, ändert daran nichts.

Körperlich verlangt die Rolle einiges. Der Schließmuskel ist Muskulatur, die auf Anspannung mit Gegendruck reagiert. Der Enddarm produziert im Gegensatz zur Vagina keine eigene Feuchtigkeit, [Gleitgel](https://gay-blog.tomrockets.com/welches-gleitgel-nutzen/ "Gleitgel") ist damit Voraussetzung. Und die [Prostata](https://gay-blog.tomrockets.com/prostata/ "Prostata") sitzt einige Zentimeter innen an der vorderen Darmwand, weshalb die Stellung darüber entscheidet, ob [Analsex](https://gay-blog.tomrockets.com/analsex-positionen/ "Analsex") sich gut anfühlt oder nur nach Arbeit.

Schmerzen sind kein Teil der Übung. Ein Brennen oder Stechen ist ein Signal, dass etwas nicht stimmt. Meistens fehlt Gleitgel, das Tempo ist zu hoch oder der Winkel passt nicht. Wer sich durch Schmerzen hindurchbeißt, riskiert kleine Einrisse.

Wie du dich vorbereitest, ohne dass es zur Prozedur wird, steht in unserer [Anleitung zur Vorbereitung auf Analsex](https://gay-blog.tomrockets.com/analsex-vorbereitung/). Wenn es beim Eindringen regelmäßig eng bleibt, hilft ein Blick in den Beitrag zur [Analdehnung](https://gay-blog.tomrockets.com/analdehnung/). Und die praktischen Grundlagen für die empfangende Rolle haben wir in [Bottom Sex genießen](https://gay-blog.tomrockets.com/bottom-sex-grundlagen/) gesammelt.

## Versatile, vers und bttm: die Abkürzungen

**Versatile**, kurz **vers**, bezeichnet Männer ohne feste Präferenz. Sie penetrieren und empfangen, je nach Partner, Situation oder Laune. In der Fachliteratur ist das die dritte Standardkategorie neben Top und Bottom, und in Dating-Profilen taucht sie regelmäßig auf.

Weil die reine Dreiteilung selten zur Wirklichkeit passt, haben sich zwei Zwischenstufen etabliert:

- **vers top** heißt: beides, mit Neigung zum Penetrieren.
- **vers bottom** heißt: beides, mit Neigung zum Empfangen.

In Apps begegnet dir außerdem die Schreibvariante **bttm**. Sie ist nichts weiter als eine Kurzform von Bottom und bedeutet dasselbe.

Zwei ältere Ausdrücke begegnen dir vielleicht noch: **pitcher** für den Top und **catcher** für den Bottom, beide aus dem Baseball entlehnt. Sie tauchen vor allem in älteren Texten auf.

## Power Bottom, Service Top und Side

**Power Bottom.** Ein Bottom, der die Penetration aktiv steuert und den Ablauf bestimmt. Der Sexualtherapeut Jesse Kahn beschreibt die Rolle als aktiv, selbstsicher und richtungsgebend: Der Power Bottom empfängt, aber er lässt nichts mit sich geschehen. Er setzt Tempo, Tiefe und Stellung. Woher der Ausdruck stammt, lässt sich nicht sagen. Der früheste Schriftbeleg steht 2003 in Steven Gregory Underwoods Buch über schwule Analerotik, für die Zeit davor gibt es nur Vermutungen.

**Service Top.** Das Gegenstück: Ein Mann, der penetriert, dabei aber nach den Anweisungen des Bottoms handelt. Die australische Präventionsorganisation ACON stellt beide Begriffe gegenüber. Der Power Bottom nimmt demnach eine dominante Rolle beim Sex ein, der Service Top eine unterordnende: Er folgt der Führung des Bottoms, den er bedient. Im BDSM bedeutet Service Top etwas anderes, dazu unten mehr.

**[Side](https://gay-blog.tomrockets.com/side-kein-anal/ "Side").** Männer, die Sex mit Männern haben, aber keinen Analverkehr, weder eindringend noch aufnehmend. Der Begriff geht auf den Sexualtherapeuten Joe Kort zurück, der ihn 2013 in einem Beitrag für die HuffPost einführte. Seine Begründung gibt er selbst so wieder: Eine Kiste habe einen Boden und einen Deckel, aber eben auch Seiten. In einer französischen Erhebung mit 8.755 Teilnehmern ordneten sich 2,9 Prozent so ein. Grindr hat „Side“ inzwischen als eigene Angabe aufgenommen.

Sides haben Sex. Sie haben ihn nur anders: Oralverkehr, gegenseitige [Masturbation](https://gay-blog.tomrockets.com/anale-masturbation/ "Masturbation"), [Frottage](https://gay-blog.tomrockets.com/frotting-reibung/ "Frottage"), [Fingern](https://gay-blog.tomrockets.com/fingern-unter-schwulen/ "Fingern"), Spielzeug. Dass Analsex als der eigentliche schwule Sex gilt, ist eine Konvention.

## Wie viele sind was, und was die Zahlen taugen

Die Zahlen widersprechen sich, und sie müssen es sogar, denn sie messen Verschiedenes.

**Selbstbild, fünf Kategorien.** Eine 2025 im Journal of Sex Research veröffentlichte US-Kohorte mit 4.802 cisgeschlechtlichen Männern ließ fünf Antworten zu. Das Ergebnis: bottom/vers 24 Prozent, top/vers 22,5 Prozent, versatile 20,3 Prozent, top 17,2 Prozent, bottom 15,8 Prozent.

**Selbstbild, vier Kategorien.** Eine französische Online-Erhebung mit 8.755 Teilnehmern aus dem Jahr 2020 fragte ohne Mischformen und kam zu: bottom 40,8 Prozent, versatile 30,8 Prozent, top 24,0 Prozent, side 2,9 Prozent.

**Verhalten statt Selbstbild.** Die amerikanische EXPLORE-Studie protokollierte über dreißig Monate das tatsächliche Verhalten. Bezogen auf ungeschützten Analverkehr verhielten sich 63,0 Prozent versatil, 16,7 Prozent ausschließlich eindringend und 9,6 Prozent ausschließlich aufnehmend. Zählt man alle Analsexakte mit, waren es sogar 83,6 Prozent versatil.

Die Spannweite für „versatile“ reicht damit von 20,3 bis 83,6 Prozent. Der Unterschied steckt in der Frage: Selbstbild, Wunsch und Verhalten sind drei verschiedene Dinge.

Genau das hat eine Untersuchung von 2016 mit 429 Teilnehmern direkt gemessen. Bottoms verhielten sich zu 78,4 Prozent so, wie sie sich einordneten, Tops zu 81,0 Prozent, **Versatiles aber nur zu 49,0 Prozent**. Wer sich als vers bezeichnet, tut also in etwa der Hälfte der Fälle etwas anderes. Bemerkenswert ist der Gegenbefund: Von den Tops berichtete kein einziger gegenteiliges Verhalten.

**Für den deutschsprachigen Raum fehlen solche Zahlen.** Weder das Robert Koch-Institut noch die Deutsche Aidshilfe erheben top, bottom oder versatile als Selbstbild. Die europäische Erhebung EMIS-2017 fragte stattdessen nach der letzten Sexbegegnung, allein aus Deutschland nahmen 23.107 Männer teil. In 74 Prozent aller Begegnungen fand Analverkehr statt. Ebenfalls auf alle Begegnungen gerechnet waren 34 Prozent nur aufnehmend, 28 Prozent nur eindringend und 12 Prozent beides. Das misst Verhalten in einer einzelnen Nacht, nicht Identität. Und eine Untersuchung mit 302 Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren fand eine Verteilung, die von der bei Erwachsenen nicht wesentlich abweicht.

## Woher die Begriffe kommen

Der früheste Schriftbeleg, den die Slang-Lexikografie kennt, stammt aus dem Jahr 1960. Eine Fachzeitschrift beschreibt dort, dass „tops“ jemanden bezeichnet, der ausschließlich den aktiven Part beim Analverkehr übernimmt, während „tops or bottoms“ für beides steht. Die Bedeutung ist also von Anfang an eine Positionsangabe.

Parallel dazu entstand die andere Verwendung. Nachschlagewerke verorten die Begriffe in der schwulen Lederkultur der Fünfziger und der BDSM-Kultur der Sechziger. In den Siebzigern und Achtzigern wanderten sie in den allgemeinen schwulen Sprachgebrauch und wurden dort zur reinen Rollenangabe. Beide Traditionen laufen bis heute nebeneinander her, und daher rührt die Verwirrung.

Im Deutschen gibt es für all das keine gewachsene Entsprechung. Weder Duden noch DWDS führen Top und Bottom in dieser Bedeutung. In der Präventionssprache heißt es stattdessen **eindringend** und **aufnehmend**, gelegentlich auch aktiv und passiv.

## Dieselben Wörter im BDSM, andere Bedeutung

Im BDSM bezeichnet Top den Mann, der eine Handlung ausführt, und Bottom den, der sie empfängt. Mit Analverkehr hat das nichts zu tun. Wer schlägt, fesselt oder eine Nadel setzt, ist der Top, unabhängig davon, wer wen penetriert oder ob überhaupt penetriert wird. Wer beide Rollen einnimmt, heißt dort **[Switch](https://gay-blog.tomrockets.com/bdsm-switch/ "Switch")**. Das ist das Gegenstück zu vers, nur auf der anderen Bedeutungsebene.

Über Top und Bottom liegt im BDSM eine zweite Achse, die es im Sexvokabular so nicht gibt: **Dominant** und **[submissiv](https://gay-blog.tomrockets.com/submissive-rollen-bdsm/ "submissiv")**. Sie beschreibt, wer die Kontrolle hält, während Top und Bottom beschreiben, wer handelt und wer empfängt.

Aus dieser zweiten Achse folgt, dass **Service Top** im BDSM etwas anderes bedeutet als beim Sex. Dort ist es jemand, der eine Technik nach den ausdrücklichen Anweisungen des Bottoms anwendet, und dieser Jemand kann gleichzeitig dominant sein. Beim Analsex fehlt die zweite Achse, dort meint Service Top schlicht: Er penetriert, aber der andere sagt, wie.

Wie die [Rollen im BDSM](https://gay-blog.tomrockets.com/rollen-im-bdsm/ "Rollen im BDSM") zusammenspielen, haben wir im Beitrag zu [Dom und Sub](https://gay-blog.tomrockets.com/dom-und-sub-bdsm/) auseinandergenommen.

## Was die Rolle über dich aussagt, und was nicht

Das gängige Stereotyp lautet: Tops sind männlich und dominant, Bottoms sind weich und unterwürfig. Die Datenlage gibt das nicht her.

Die französische Erhebung mit 8.755 Teilnehmern fragte fünf Eigenschaften ab, die gemeinhin als weiblich gelten: Fürsorge, Trösten, Empathie, Intuition und Sprachvermögen. Bei allen fünf schnitten **Bottoms am niedrigsten** ab, Versatiles am höchsten. Bei der Risikofreude lagen Bottoms über den Tops, 27,6 gegen 22,7 Prozent. Die Autoren schreiben, ihre Daten sprächen gegen die gesellschaftliche Annahme, Bottoms trügen eine traditionell weiblich konnotierte psychische Ausstattung. Diese Zahlen stammen aus einem Kongressbeitrag und nicht aus einer begutachteten Vollpublikation, was ihr Gewicht begrenzt.

Auf der anderen Seite gibt es einen messbaren, aber sehr kleinen Zusammenhang. In einer Untersuchung mit 429 Teilnehmern schätzten sich Tops als männlicher ein als Bottoms, Versatiles lagen dazwischen. Die Effekte erklären allerdings nur wenige Prozent der Unterschiede, taugen also für Aussagen über Gruppen und nicht über Personen.

Eine Untersuchung mit 282 Teilnehmern kam zu dem Schluss, dass Männer ihr Label über einen Zeitraum von rund fünfzehn Jahren erlernen. Die Rolle bildet sich also aus Erfahrungen. Und die Penisgröße wirkte dabei nur mittelbar: Wer sich einen kleineren Penis zuschrieb, hatte häufiger Bedenken gegenüber dem Penetrieren und ordnete sich eher [als Bottom](https://gay-blog.tomrockets.com/bottom-sex/ "als Bottom") ein. Direkt vorhersagbar war das Label nur über zwei Dinge, nämlich wie viel Lust jemand am Empfangen hat und wie wichtig ihm Kontrolle beim Sex ist.

## Sieht man einem Mann an, ob er Top oder Bottom ist

Diese Frage ist tatsächlich untersucht worden, und die Antwort lautet: kaum.

In einer Studie von 2013 bekamen Testpersonen 200 Profilfotos vorgelegt, je hundert von Männern, die sich als Top beziehungsweise als Bottom bezeichneten. Die Trefferquote lag knapp über dem Zufall. Aufgeschlüsselt wird das Ergebnis noch schwächer: Tops wurden zu 64,6 Prozent richtig erkannt, **Bottoms nur zu 38,8 Prozent**, also schlechter als beim Raten. Der Grund ist eine Verzerrung. Die Beurteiler tippten im Zweifel auf Top, und was sie tatsächlich bewerteten, war zugeschriebene Männlichkeit.

Eine methodische Einschränkung der Studie benennt der Erstautor selbst: Die 200 Fotos wurden von gerade einmal 23 Personen beurteilt. Eine Wiederholung mit 121 Beurteilern brachte dasselbe Muster mit derselben Verzerrung.

Menschen glauben also, es zu sehen. Sie liegen dabei minimal über dem Zufall und irren systematisch in eine Richtung. Wer aus einem Gesicht auf eine Rolle schließt, rät.

## Was die Rolle fürs Risiko bedeutet

Hier hat die Rollenfrage eine deutliche Bedeutung.

Eine systematische Übersichtsarbeit der US-Gesundheitsbehörde CDC aus dem Jahr 2014 hat die Übertragungswahrscheinlichkeit für [HIV](https://gay-blog.tomrockets.com/hiv/ "HIV") je Sexakt zusammengetragen. Die Bezugsgröße ist wichtig: Gemeint sind Kontakte mit einer Person, deren HIV-Infektion unbehandelt ist, ohne [Kondom](https://gay-blog.tomrockets.com/wichsen-mit-kondom/ "Kondom") und ohne [PrEP](https://gay-blog.tomrockets.com/prep-hiv/ "PrEP").

- **aufnehmender Analverkehr: 138 Übertragungen pro 10.000 Kontakte**, also 1,38 Prozent
- **eindringender Analverkehr: 11 pro 10.000**, also 0,11 Prozent

Zwischen den beiden Rollen liegt damit etwa der Faktor zwölf. Die Einzelstudien hinter dieser Zahl streuen erheblich, von 82 bis 143 pro 10.000 je nach Kohorte, eine Modellrechnung nannte sogar eine Spanne von 50 bis 300. Die Größenordnung ist belastbar, die exakte Zahl ist es nicht.

Entscheidend ist der zweite Befund derselben Arbeit: **Kondom und wirksame HIV-Therapie des Partners senken das Risiko zusammen um 99,2 Prozent.** Und wer PrEP nimmt, verschiebt die Rechnung ohnehin. Wie das funktioniert, steht in unserem Beitrag zur [PrEP](https://gay-blog.tomrockets.com/prep-hiv/).

**Top zu sein ist trotzdem kein Schutz.** Die Deutsche Aidshilfe hält ausdrücklich fest, dass es beim Analverkehr auch für die eindringende Person ein HIV-Risiko gibt. Empfindlich sind dort die Schleimhäute an der Innenseite der [Vorhaut](https://gay-blog.tomrockets.com/wichsen-ohne-vorhaut/ "Vorhaut"), an der Harnröhre und am Penisbändchen. Dieselbe Quelle erinnert daran, dass alle Angaben statistische Werte sind: Bei einem Mann kann ein einziger Kontakt zur Infektion führen, bei einem anderen bleiben viele folgenlos.

Bei anderen [Geschlechtskrankheiten](https://gay-blog.tomrockets.com/health/geschlechtskrankheiten/ "Geschlechtskrankheiten") wird die Rechnung noch weniger eindeutig. Eine Untersuchung aus Seattle prüfte 292 Männer, die **keinen** aufnehmenden Analverkehr praktizieren, auf rektale Infektionen. **14,1 Prozent waren positiv** auf [Chlamydien](https://gay-blog.tomrockets.com/chlamydien-infektion/ "Chlamydien") oder Gonorrhoe. Als Übertragungswege kommen dort [Rimming](https://gay-blog.tomrockets.com/rimming/ "Rimming") und perianales Spiel infrage. In einer älteren Erhebung aus San Francisco verliefen rund 85 Prozent der rektalen Infektionen ohne Symptome. Eine niederländische Untersuchung mit 9.549 Teilnehmern fand 85,6 Prozent der rektalen Infektionen isoliert vor, ohne Beteiligung der Harnröhre. Ein reiner Urintest hätte sie übersehen.

Rektale Abstriche gehören deshalb zum Testprogramm, auch wenn du dich als Top verstehst. Mehr dazu in unserem Überblick zu [Geschlechtskrankheiten bei schwulen Männern](https://gay-blog.tomrockets.com/sti-std/).

## Wie du herausfindest, was zu dir passt

Am schnellsten geht es durch Ausprobieren, und zwar ohne den Zwang, hinterher ein Etikett tragen zu müssen.

Drei Dinge helfen dabei mehr als jede Selbstbefragung. Sprich vorher darüber, was du willst und was du gerade nicht willst; ein Satz genügt. Fang mit dem an, was sich naheliegend anfühlt, statt mit dem, was du glaubst tun zu müssen. Und behandle das Ergebnis als Zwischenstand. Die Studien dazu weisen in dieselbe Richtung: Das Label bildet sich über Jahre, und ein erheblicher Teil der Männer handelt ohnehin anders, als er sich einordnet.

Wenn du beides schon kennst und wissen willst, wie ein Wechsel innerhalb einer Beziehung läuft, haben wir das im Beitrag zum [Rollenwechsel beim Analsex](https://gay-blog.tomrockets.com/gay-rollenwechsel-beim-analsex-toppartner-will-heute-bottom-sein-wie-switching-funktioniert/) beschrieben. Und falls du bei den Grundlagen einsteigen willst: Der Beitrag zum [Analverkehr](https://gay-blog.tomrockets.com/analverkehr/) deckt alles ab, was vor der Rollenfrage kommt.

Die Rolle bleibt eine Vorliebe. Sie ist keine Eigenschaft und schon gar keine Rangordnung. Wer sie zum Charakterurteil macht, sagt damit mehr über sich als über den anderen.

## FAQ

### Was bedeutet Top und Bottom beim Sex?

Top bezeichnet den Mann, der beim Analverkehr eindringt, Bottom den, der ihn aufnimmt. Beide Begriffe beschreiben zunächst nur die Position beim Sex und sagen nichts über Charakter, Männlichkeit oder darüber, wer die Kontrolle hat.

### Was heißt vers?

Vers ist die Kurzform von versatile und bezeichnet Männer, die beides machen, also penetrieren und empfangen. Daneben gibt es die Zwischenstufen vers top und vers bottom für eine Präferenz mit Tendenz. Je nachdem, ob Studien nach Selbstbild oder nach tatsächlichem Verhalten fragen, ordnen sich zwischen 20,3 und 83,6 Prozent der Männer hier ein.

### Was ist ein Power Bottom?

Ein Power Bottom empfängt, steuert dabei aber den Ablauf: Tempo, Tiefe und Stellung. Der Sexualtherapeut Jesse Kahn beschreibt die Rolle als aktiv und richtungsgebend. Empfangend und passiv sind eben zwei verschiedene Dinge, und der Power Bottom ist das deutlichste Beispiel dafür.

### Kann ich meine Rolle wechseln?

Ja, und viele tun es. Eine Untersuchung mit 429 Teilnehmern fand, dass sich Männer, die sich als versatile bezeichnen, nur in rund der Hälfte der Fälle auch entsprechend verhalten. Eine andere Arbeit kam zu dem Ergebnis, dass sich das eigene Label über etwa fünfzehn Jahre herausbildet. Es ist also eher ein Zwischenstand als eine Festlegung.

### Ist Bottom sein gefährlicher als Top sein?

Die Bezugsgröße ist Analverkehr ohne Kondom und ohne PrEP, mit einer Person, deren HIV-Infektion unbehandelt ist. Dann liegt das Risiko für die aufnehmende Rolle bei 138 Übertragungen pro 10.000 Kontakten, für die eindringende bei 11. Das ist etwa der Faktor zwölf. Kondom und wirksame Therapie des Partners senken das Risiko zusammen um 99,2 Prozent, und mit PrEP verschiebt sich die Rechnung noch einmal. Ein Freibrief ist die Top-Rolle trotzdem nicht: Auch die eindringende Person kann sich infizieren, und rektale Geschlechtskrankheiten finden sich selbst bei Männern, die gar nicht aufnehmend verkehren.

### Was bedeutet bttm?

Bttm ist die Kurzschreibung von Bottom, wie sie in Dating-Profilen üblich ist. Sie bedeutet dasselbe und hat keine eigene Nebenbedeutung.

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