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title: "Fisting-Mythen und die wahre Geschichte"
description: "Fisting-Mythen im Faktencheck: Was stimmt, was ist Vorurteil? Mit Studien zu HIV, Hepatitis C, Schmerz und der echten Geschichte seit 1969."
url: https://gay-blog.tomrockets.com/mythos-fisting/
date_published: 2022-01-31
date_modified: 2025-10-09
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# Fisting-Mythen und die wahre Geschichte

## Inhaltsverzeichnis

- [Eine Technik des 20. Jahrhunderts mit Wurzeln in der Vergangenheit](#h-eine-technik-des-20-jahrhunderts-mit-wurzeln-in-der-vergangenheit)
- [Mythos Fisting: Angst, Angst, Angst](#h-angst-angst-angst)
- [Es fisten nur die Alten!](#h-es-fisten-nur-die-alten)
- [Das tut doch höllisch weh!](#h-das-tut-doch-hollisch-weh)
- [Es fisten nur Ledermänner!](#h-es-fisten-nur-ledermanner)
- [Sie lassen sich fisten, weil sie keinen hochkriegen!](#h-sie-lassen-sich-fisten-weil-sie-keinen-hochkriegen)
- [Wer fistet, wird sich früher oder später mit HIV infizieren!](#h-wer-fistet-wird-sich-fruher-oder-spater-mit-hiv-infizieren)
- [Fisten ist dreckig!](#h-fisten-ist-dreckig)
- [Wer fistet, steht auch auf Scheiße!](#h-wer-fistet-steht-auch-auf-scheisse)
- [Vom Fisten wird man inkontinent!](#h-vom-fisten-wird-man-inkontinent)
- [Fisten ist nur was für echte Kerle!](#h-fisten-ist-nur-was-fur-echte-kerle)
- [Fister sind zwanghaft!](#h-fister-sind-zwanghaft)
- [Wahrheiten](#h-wahrheiten)

Eine ganze Hand im Hintern: Für die einen die intensivste Form von Nähe, für die anderen der Stoff, aus dem Gerüchte sind. [Fisten](https://gay-blog.tomrockets.com/anatomie-fisten/ "Fisten") ist eine der Praktiken, über die alle reden und fast niemand etwas Belegtes weiß. Zeit, das zu ändern. Wir gehen die elf hartnäckigsten Mythen durch und legen zu jedem die Studienlage auf den Tisch, mit Namen, Zahlen und den Stellen, an denen die Wissenschaft ehrlich „weiß man nicht“ sagt. Manches Ergebnis wird dich beruhigen, manches überraschen, und eines davon ist ein dokumentiertes Risiko, über das sonst kaum jemand spricht.

## Eine Technik des 20. Jahrhunderts mit Wurzeln in der Vergangenheit

Fisten ist eine junge, dokumentierte Praxis: Das Wort „fist fuck“ ist im amerikanischen Slang spätestens seit 1969 belegt, und jede ältere Datierung ist eine unbelegte Behauptung. Es gibt keine historische Primärquelle aus Antike oder Mittelalter, die die Praxis beschreibt; in der Forschungsliteratur gilt der Ursprung als umstritten, und die Behauptung einzelner Autoren, Fisten sei „tausende Jahre alt“, kommt ohne Quellenangabe aus.

Das Belegbare beginnt in der US-Lederszene. Ende der 1960er gründete sich die „Fist Fuckers of America“, offiziell registriert unter dem Decknamen „Fall Festival Association“. 1975 trafen sich rund 300 Männer zu einer zweitägigen Fisting-Convention in Ossining, New York. 1972 beschrieb Larry Townsend „The Leatherman’s Handbook“ als erstes Buch die Codes der Szene, inklusive Fistfucking. In San Francisco betrieb Steve McEachern den Catacombs-Club in zwei Phasen zwischen 1975 und 1984. Der reine Fisting-Club ließ nur Gäste mit Empfehlung hinein. Die Anthropologin Gayle Rubin beschrieb ihn 1991 in ihrem Essay „The [Catacombs](https://gay-blog.tomrockets.com/catacombs-sexclub/ "Catacombs"): A Temple of the Butthole“. In der AIDS-Krise der 1980er schlossen die Clubs, und die Szene wurde zu einem Umfeld, in dem [Safer Sex](https://gay-blog.tomrockets.com/health/praevention-schutz/ "Safer Sex") mit Handschuhen propagiert wurde.

Und weil Mythen auch heute produziert werden: Seit dem 21. Oktober 2011 gibt es den International [Fisting](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-hacks/ "Fisting") Day, ausgerufen von den Performern Jiz Lee und Courtney Trouble als Protest gegen Porno-Distributoren, die Filme mit Fisting nicht vertreiben wollten.

## Mythos Fisting: Angst, Angst, Angst

Angst ist der messbare Feind der Entspannung. In einem Mayo-Clinic-Experiment erhöhte mentaler Stress den Druck im Analkanal um durchschnittlich 6 mmHg bei 38 gesunden Frauen. Geführte Entspannung senkte ihn ebenso signifikant (Muthyala et al., 2019). Die Standardabweichung war größer als der Effekt selbst; statistisch blieb er signifikant. Der Mechanismus läuft über den inneren Schließmuskel, also genau den Muskel, der sich beim Fisten öffnen muss. Der Vorbehalt: Untersucht wurden Frauen unter Laborstress, keine Männer [vor einer](https://gay-blog.tomrockets.com/vor-einer-fist-session-essen/ "vor einer") Session.

Diese Angst kleinzureden wäre trotzdem fachlich falsch. In einer Stichprobe von 277 Männern gehörte „nicht entspannt sein“ zu den drei stärksten Vorhersagefaktoren für Schmerz beim rezeptiven [Analsex](https://gay-blog.tomrockets.com/analsex-positionen/ "Analsex"), und Schmerz korrelierte positiv mit Angst (Rosser et al., 1998). Angst ist also kein Charakterfehler, sondern ein körperlicher Zustand mit messbarem Effekt. Wer dagegen arbeitet, arbeitet am zentralen Risikofaktor. Was konkret hilft, steht in unserem Guide für [Fistees](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-passi/).

## Es fisten nur die Alten!

Falsch: In der repräsentativen australischen Bevölkerungsbefragung mit 19.307 Erwachsenen zwischen 16 und 59 Jahren praktizierten weniger als 5 % im vergangenen Jahr Fisting (Richters et al., 2003). Die zweite Welle mit 20.094 Befragten zwischen 16 und 69 Jahren kam auf denselben Befund in noch engerer Grenze: unter 3 %, ebenfalls ohne Altersaufschlüsselung (Richters et al., 2014).

Auch die Szene-Daten zeigen keinen Alt-Club. In Irland zählte die europäische Internet-Studie mit Männern, die Sex mit Männern haben (EMIS), 1.787 Männer mit nicht-festen Partnern. Davon gaben 13,5 % insertives und 10,1 % rezeptives Fisten in den letzten zwölf Monaten an. Eine Altersaufschlüsselung fürs Fisten liefern die großen Befragungen nicht; das Bild vom Senioren-Club hat jedenfalls keine Datenlage.

## Das tut doch höllisch weh!

Die offizielle Lesart der Fachliteratur ist das Gegenteil. Nur 14 % von 404 befragten Männern berichteten häufigeren starken Schmerz beim rezeptiven Analsex (Damon & Rosser, 2005). Die Autoren schreiben wörtlich, dieser Befund widerspreche dem Mythos, Schmerz sei eine notwendige Folge von rezeptivem Analsex. Schmerz ist beim Fisten kein Eintrittspreis, sondern ein Warnsignal.

Die Prädiktoren aus der Schwesterstudie sind praktisch wertvoller als jede Warnung: unzureichende Lubrikation, mangelnde Entspannung und fehlende digitale Vordehnung. Alle drei sind steuerbar. 12 % der Männer jener Stichprobe bewerteten ihren Schmerz als zu stark, um fortzufahren. Genau diese Gruppe beschreibt, was passiert, wenn die drei Faktoren fehlen. Wer langsam arbeitet, ausreichend [Gleitmittel](https://gay-blog.tomrockets.com/gleitmittel-zum-analfisten/) nutzt und sich [richtig dehnt](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-anal-dehnung/), adressiert die dokumentierten Schmerzursachen direkt. Ein [Butt Plug](https://gay-blog.tomrockets.com/butt-plug-richtig-benutzen/) ist dafür das sinnvollste Trainingswerkzeug.

## Es fisten nur Ledermänner!

Die Bevölkerungsdaten widerlegen die Exklusivität: In den australischen Studien wurde Fisting ausdrücklich „rektal oder vaginal“ erfragt, und die Praxis kommt bei beiden Geschlechtern vor. Eine PubMed-Suche nach Prävalenzstudien zu Fisting bei Frauen liefert allerdings null Treffer. Die Praxis ist dort nur über Fallberichte dokumentiert. Ein Beispiel ist eine vaginale Ruptur bei einer 33-jährigen Frau aus dem Jahr 2025 (Driák et al.), ein älterer stammt aus dem Medical Journal of Australia von 1998. Deborah Addington widmete dem vaginalen Fisten 1997 ein ganzes Buch.

Das Leder-Image hat eine echte historische Wurzel: Die organisierte Szene der 1970er war schwul und ledergeprägt, und die Katalogisierung durch die Forschung lief lange über MSM-Kohorten. Dass die Forschung vor allem schwule Männer misst, heißt aber nicht, dass nur schwule Männer fisten. Es heißt, die Forschung hat den Rest der Bevölkerung schlicht nicht gefragt.

## Sie lassen sich fisten, weil sie keinen hochkriegen!

Für diesen Mythos existiert keine einzige Studie: Keine Untersuchung verknüpft die rezeptive Rolle oder das Fisten mit erektiler Dysfunktion. Unsere PubMed-Recherche zur Frage fand 14 Treffer zu [Erektion](https://gay-blog.tomrockets.com/erektion/ "Erektion") und rezeptivem [Analverkehr](https://gay-blog.tomrockets.com/analverkehr/ "Analverkehr"), darunter keinen einzigen, der die Behauptung stützt.

Was die Literatur stattdessen zeigt, dreht die Kausalrichtung um. In einer Studie mit 558 Männern nach Prostatakrebs-Behandlung, davon 90 nicht-heterosexuell, wechselten Betroffene mit erektiler Dysfunktion teilweise in die rezeptive Rolle. Rezeptiver Sex setzt ausdrücklich keine Erektion voraus (Dowsett et al., 2014). Und in einer Stichprobe von 519 Männern aus Hongkong und Shenzhen lagen sexuelle Funktionsstörungen bei 48,9 bis 59,6 %, ohne Aufschlüsselung nach Rollen (Tsui et al., 2014). Die Raten sind also hoch in der Gesamtpopulation, nicht an einer Rolle gemessen. [Erektionsprobleme](https://gay-blog.tomrockets.com/erektionsprobleme-kopfsache/ "Erektionsprobleme") sind ein Volksleiden, kein Bottom-Merkmal.

## Wer fistet, wird sich früher oder später mit HIV infizieren!

Eine große Kohortenstudie mit 358 serodiskordanten schwulen Paaren belegt das Gegenteil. In den Phasen mit wirksam unterdrückter Viruslast zählte sie 12.447 kondomlose Analverkehr-Kontakte, und gekoppelte Übertragungen gab es: null (Opposites Attract, Bavinton et al., 2018). Drei Männer infizierten sich neu, alle nachweislich außerhalb ihrer Partnerschaft; die statistische Obergrenze lag bei 1,59 Übertragungen pro 100 Paar-Jahre. Der Therapie-Folgetrial HPTN 052 bestätigte das Prinzip in 1.763 überwiegend heterosexuellen Paaren mit 93 % weniger Übertragungen. Wer unter Nachweisgrenze behandelt ist, überträgt [HIV](https://gay-blog.tomrockets.com/hiv/ "HIV") nicht. Wer ohne gesicherten Therapiestatus unterwegs ist, schützt sich mit Kondomen oder der Prä-Expositions-Prophylaxe ([PrEP](https://gay-blog.tomrockets.com/prep-hiv/ "PrEP")).

Jetzt die Stelle, an der wir ehrlich sein müssen, weil sonst kaum jemand darüber ehrlich ist: Das dokumentierte fisten-spezifische Risiko heißt nicht HIV, sondern [Hepatitis](https://gay-blog.tomrockets.com/hepatitis/ "Hepatitis") C bei HIV-positiven Männern. In der niederländischen MOSAIC-Fall-Kontroll-Studie mit 213 Männern war ungeschütztes Fisten mit einem um den Faktor 2,57 erhöhten Risiko für eine akute Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) assoziiert (Vanhommerig et al., 2015). Das Konfidenzintervall lag bei 1,02 bis 6,44, also knapp über der Signifikanzschwelle. Das Robert-Koch-Institut fand rezeptives Fisten und sex-assoziierte rektale Blutung als unabhängige Risikofaktoren (Schmidt et al., 2011). In der französischen HEPAIG-Gruppe hatten 65 % der 80 Männer mit akuter Hepatitis C in den sechs Monaten vor ihrer Diagnose gefistet. Die deutsche NoCo-Studie von 2024 identifizierte geteiltes Fisting-Gleitmittel als eigenen Übertragungsweg. Der Mechanismus ist Blut-Blut-Kontakt über Mikroverletzungen, nicht das Fisten an sich: Handschuhe, eigenes Gleitmittel pro Partner und keine geteilten Toys adressieren genau die dokumentierten Risikofaktoren. Der Hintergrund zu Substanzen steht in unserem Artikel über [Drogen beim Fisten](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-schmerzen-drogen/).

## Fisten ist dreckig!

Wie viel sich im unteren Rektum zwischen den Stuhlgängen sammelt, ist in der Forschung schlicht nicht sauber gemessen. Viele duschen vorher, und das ist legitim. In einer Community-Stichprobe aus Long Beach mit 547 Männern und 530 Frauen war die rektale Dusche eine verbreitete Praxis vor dem Analverkehr (Reynolds et al., 2020). Dieselbe Studie enthält die ehrliche Warnung: Duschen ist kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen ([STI](https://gay-blog.tomrockets.com/sti-std/ "STI")) und war dort sogar mit Syphilis-Positivität assoziiert.

Dreckig ist also eine Bewertung, keine Beschreibung. Wer sich ohne Dusche wohler fühlt, sollte wissen, dass Restkontakt möglich ist und hygienisch völlig handhabbar bleibt. Wer spült, macht es richtig und belässt es bei wenig lauwarmem Wasser. Beide Wege stehen in unseren Guides zur [Fisting-Spülung](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-spuelung/) und zur [Analdusche](https://gay-blog.tomrockets.com/analdusche-selber-machen/) im Detail.

## Wer fistet, steht auch auf Scheiße!

Diese Behauptung hat keine Studienbasis in irgendeine Richtung: Unsere PubMed-Suche zur Häufigkeit von [Koprophilie](https://gay-blog.tomrockets.com/koprophilie/ "Koprophilie") lieferte genau einen Treffer, und der war themenfremd. Es existiert keine epidemiologische Untersuchung, die Fisten mit einer Neigung zu Skat-Spielen verknüpft, in keine Richtung.

Was bleibt, ist die Mechanik des Vorurteils: Fisten spielt im Enddarm, also wird die Praxis mit dem Inhalt des Darms gleichgesetzt. Nach derselben Logik stünde jeder Analverkehr unter Verdacht. Die Realität in den Szene-Daten ist profan: Viele, die fisten, spülen vorher oder akzeptieren Restkontakt nüchtern. Und ob Skat-Neigung und Fisten zusammenhängen, hat nie jemand untersucht.

## Vom Fisten wird man inkontinent!

Die ehrlichste Antwort der gesamten Mythenliste: Es gibt keine einzige Längsschnittstudie zu Fisten und Kontinenz, und keine dokumentierte Kausalkette von der [Faust](https://gay-blog.tomrockets.com/faust-fisting/ "Faust") zum dauerhaften Kontrollverlust. Unsere systematische Suche fand zu „anal intercourse fecal incontinence“ nur geburtshilfliche Übersichtsarbeiten. Zur Beckenboden-Gesundheit queerer Menschen fand sie ein Scoping-Review-Protokoll von 2026, das die Datenlücke ausdrücklich benennt (Boulanger et al.).

Das heißt nicht „bewiesen harmlos“, sondern „nicht erforscht“. Was dokumentiert ist, sind schwere [Verletzungen](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-verletzungen/ "Verletzungen") als seltene Einzelfälle: rektale und Sigmoid-Perforationen nach unsachgemäßem oder nicht-einvernehmlichem Fisten, beschrieben in Fallserien der forensischen Medizin und Chirurgie. Aus Einzelfällen lässt sich keine Häufigkeit ableiten, aber ein Muster: Es waren Fälle unsachgemäßer oder nicht-einvernehmlicher Ausführung. Kontinenz nach sachgemäßem, einvernehmlichem Fisten ist dagegen kein beschriebenes Krankheitsbild.

## Fisten ist nur was für echte Kerle!

Rollen sind Etiketten, keine Identitäten. In einer Studie mit 429 schwulen und bisexuellen Männern lebte nur die Hälfte der selbsternannten „Versatilen“ diese Rolle auch tatsächlich. Weder Maskulinität noch Körperbau legten fest, wer welche Praxis mag (Moskowitz & Hart, 2011). Wer fistet oder gefistet wird, sagt nichts über seine Männlichkeit aus.

Die kulturwissenschaftliche Lesart geht weiter. In der Forschung wird Fisten unter schwulen Männern eher als Infragestellung von Männlichkeitsnormen gelesen denn als deren Beweis (Martin, 2020). Der passive Teil gibt Kontrolle ab, statt sie zu behaupten. Der Mythos funktioniert nur, solange man „echter Kerl“ mit „aktiver Rolle“ gleichsetzt, und genau diese Gleichsetzung hält der Datenlage nicht stand.

## Fister sind zwanghaft!

Zwanghaftigkeit ist in der Diagnostik an Kontrollverlust gebunden, nicht an Praktiken. Die kompulsive Sexualverhaltensstörung (CSBD) der internationalen Krankheitsklassifikation ICD-11 verlangt anhaltendes Versagen der Kontrolle mit Leidensdruck. Fisten taucht in keinem Diagnosesystem als Kriterium auf (Kraus et al., 2018). In einer US-repräsentativen Stichprobe von 2.325 Erwachsenen lagen 8,6 % über dem Screening-Grenzwert für kontrollierungsproblematisches Sexualverhalten, Männer bei 10,3 %, Frauen bei 7,0 % (Dickenson et al., 2018). Eine Studie, die Fisten mit Zwanghaftigkeit verknüpft, existiert nicht.

Der Mythos verwechselt Intensität mit Krankheit. Wer eine intensive Praxis regelmäßig lebt, plant und reflektiert, erfüllt das Gegenteil des Diagnosekriteriums: Kontrolle. Zwanghaft wäre, wer die Kontrolle verliert und darunter leidet, und das ist unabhängig von der Praxis möglich.

## Wahrheiten

Nach elf Mythen bleibt ein kurzer, belastbarer Kern. Fisten ist eine junge, dokumentierte Praxis aus der Lederszene, selten in der Gesamtbevölkerung, verbreitet in Teilen der schwulen Szene und längst nicht auf sie beschränkt. Schmerz ist kein Schicksal, sondern hat drei steuerbare Ursachen. HIV ist unter wirksamer Therapie nicht übertragbar; das dokumentierte fisten-spezifische Risiko ist Hepatitis C bei HIV-positiven Männern, und es lässt sich über Handschuhe und nicht geteiltes Gleitmittel schließen. Zur Langzeitwirkung auf die Kontinenz fehlt der Forschung schlicht die Studie.

Was die Praxis trägt, ist keine Härte, sondern [Vorbereitung](https://gay-blog.tomrockets.com/analsex-vorbereitung-2/ "Vorbereitung"). Wähle die passende [Stellung](https://gay-blog.tomrockets.com/wie-fiste-ich-richtig/), suche den Weg zum [Fist-Orgasmus](https://gay-blog.tomrockets.com/fisting-orgasmus/) in Ruhe und lege beim [ersten Analsex](https://gay-blog.tomrockets.com/erstes-mal-analsex-2/) die Grundlagen, auf denen alles Weitere aufbaut. Wer später tiefer gehen will, findet die Grenzen und Zahlen in den [Spezialtechniken](https://gay-blog.tomrockets.com/spezialtechniken-fisten/). Fisten ist kein Beweis von irgendetwas. Es ist eine Praxis für Menschen, die sich darauf einlassen wollen, mehr nicht und nicht weniger.

## FAQ

### Ist Fisten gefährlich?

Schwere Verletzungen sind in der Medizinliteratur als seltene Einzelfälle dokumentiert, bei unsachgemäßer oder nicht-einvernehmlicher Ausführung. Eine Häufigkeit für Verletzungen bei sachgemäßer, einvernehmlicher Ausführung ist nicht belegt. Die drei dokumentierten Schmerzursachen sind unzureichendes Gleitmittel, fehlende Entspannung und fehlende Vordehnung, und alle drei lassen sich steuern.

### Wer fistet eigentlich wirklich?

Repräsentative Befragungen aus Australien finden Fisting bei einem kleinen einstelligen Prozentsatz der Erwachsenen, rektal wie vaginal. In schwulen Szene-Erhebungen sind die Werte deutlich höher. Eine Prävalenzstudie zu Fisting bei Frauen existiert in PubMed nicht; die Praxis ist dort über Fallberichte belegt.

### Wie alt ist die Praxis wirklich?

Das Wort ist seit den späten 1960er-Jahren belegt, die organisierte Szene entstand in derselben Zeit, und der erste reine Fisting-Club lief in den 1970ern in San Francisco. Jede Datierung vor das 20. Jahrhundert ist eine unbelegte Behauptung, und die Forschung nennt den Ursprung offiziell umstritten.

### Kann man vom Fisten inkontinent werden?

Eine Längsschnittstudie zu Fisten und Kontinenz existiert nicht, und die neueste Fachliteratur benennt diese Lücke offen. Dokumentiert sind nur seltene Verletzungs-Einzelfälle. „Kein belegter Zusammenhang“ ist ehrlicherweise nicht dasselbe wie „bewiesen harmlos“.

### Überträgt sich HIV beim Fisten?

Unter wirksamer Therapie überträgt ein HIV-positiver Partner das Virus nicht, das ist das Prinzip „undetectable = untransmittable“ und gilt auch für Analverkehr in großen Paar-Studien. Das dokumentierte Risiko beim Fisten ist Hepatitis C bei HIV-positiven Männern, übertragen über Blut-Blut-Kontakt. Handschuhe und eigenes Gleitmittel pro Partner adressieren genau die dokumentierten Risikofaktoren.

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